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Heute sagen manche oft, dass die Traditionen auf dem Balkan immer unverändert gewesen seien und die Gesellschaft immer von Männern beherrscht worden sei.
Doch Geschichte, Volksüberlieferungen und die Erinnerungen der Menschen zeigen, dass die Dinge nicht so einfach waren.
Früher lebten auf dem Balkan manche Frauen offen als Männer, zum Beispiel als sogenannte „Schwurjungfrauen“.
Sie stammten meist aus Familien ohne Söhne, trugen Männerkleidung und übernahmen die Rolle des Familienoberhaupts, mussten aber versprechen, nie zu heiraten.
Es gab auch Männer, die nicht ganz dem traditionellen Bild von Männlichkeit entsprachen; sie halfen bei wichtigen Ritualen der Gemeinschaft und wurden von allen respektiert.
Auch in Volksgeschichten kommen oft Kriegerinnen vor: Wenn eine Familie keine Söhne hatte, verkleidete sich die Tochter als Mann und zog in den Krieg, um ihre Familie und ihre Heimat zu schützen.
Nach dem Krieg kehrten sie oft zu ihrer ursprünglichen weiblichen Identität zurück.
Auch in der Geschichte gab es solche realen Personen, zum Beispiel Milunka Savić, die einst Männerkleidung trug, um sich der Armee anzuschließen, und später eine berühmte Soldatin wurde.
Diese Geschichten bedeuten nicht, dass die Vergangenheit gleichberechtigt war, aber sie zeigen, dass die traditionelle Gesellschaft des Balkans viel komplexer war, als viele Menschen denken.